11 Leitsätze, die Glaubenskrise in der Kirche zu bearbeiten – eine Art Gastbeitrag

„Auf eine geistliche Krise sollte Kirche primär mit einem Prozess des Suchens, Betens und Hörens reagieren.“ (Pfarrer Johannes Kraus)

Meine tiefe Überzeugung ist es, dass wir in der Krise um die Kirche vor allem eins tun sollten: Auf Gott hören. Neu nach seinem Willen fragen. Uns von Gott allein den Weg zeigen lassen. Das haben Generationen vor uns getan und es geht nicht darum, die Kirche „zu retten“, weil sie vorher gescheitert wäre. So dunkel sehe ich das nicht. Ich sehe es eher gut evangelisch:

Dass die Menschen mit Gott im Gespräch sind über die Kirche und durch Reformen neu zu sich selbst finden kann. Reformen, die sie nie dahin bringen, eines Tages nur noch toll und super zu sein. Es ist das Wesen der Kirche sich zu verändern. Auch die Reformation hat im tiefen Fragen nach Gott begonnen. Das wünsche ich mir für mich und für meine Zeit. Deswegen sage ich: Lasst uns nach Gott fragen, wenn wir nach der Zukunft der Kirche suchen.

Mein Kollege Pfarrer Johannes Kraus aus Hattersheim hat das konsequent durchgedacht. Ich stimme sicher nicht jedem Punkt ohne Vorbehalt zu und wenn du drei Meinungen haben willst, frag zwei Pfarrer*innen – das ist ja bekannt.

Im folgenden Text findest du ein paar
Kirchenbegriffe, die fett markiert sind.
Indem du mit der Maus darüber gehst,
erhältst du sofort eine Beschreibung.

Aber wie konsequent mein Kollege die Glaubenskrise in der Kirche durchgedacht hat, hat mich absolut beeindruckt. Deswegen möchte ich euch seine Leitsätze als Antwort auf die 11 Leitsätze der EKD für eine Kirche auf gutem Grund nicht vorenthalten.

Meine 11 Leitsätze zur #Kirchemorgen (Beitrag von Pfarrer Johannes Kraus):

1. Die Krise der Kirche ist eine geistliche Krise („Glaubenskrise“):  
„Wo ist Gott zu entdecken?“  Diese Frage darf die Kirche nicht einfach überspielen, sie muss sie sich immer wieder neu stellen, denn Kirche verfügt nicht über Gott und seine Präsenz.

2. Eine geistliche Krise als eigentliche Krise lässt Fragen kirchlicher Struktur und Arbeit als sekundär erscheinen. Und das sind sie auch!

3. Auf eine geistliche Krise sollte Kirche primär mit einem Prozess des Suchens, Betens und Hörens reagieren. In der Hoffnung, dass Gott seiner Kirche den Weg weist und sie hineinnimmt in seine Mission (missio dei). 

4. Für die sekundären Kirchenreformen in Struktur und Arbeit gilt: beim Bestehenden ansetzen, statt den Totalabbruch wagen. Das ist nicht nur eine Binsenweisheit des Gemeindeaufbaus, sondern, theologisch gesprochen, auch in Gott gegründet, der schon in der Vergangenheit seine Kirche mitgetragen und gebaut hat.

5. Zu Recht hat Kirche in den vergangenen Jahrzehnten ihre Strukturen und Arbeit differenziert und ausgebaut (z. B. Funktionpfarrstellen neben Ortspfarrstellen oder gebündelte Angebote über die Dekanate. Das tat sie um der Kommunikation des Evangeliums willen. Damit das Evangelium in der Weite kommuniziert wird. Denn das ist Volkskirche sein, nämlich Kirche für alles Volk!

6. In Zeiten knapper werdender Ressourcen (Finanzen, Personal) kann um der Kommunikation des Evangeliums willen nicht ein Arbeitsbereich der Kirche (z. B. Ortsgemeinde) gegen einen anderen Bereich (z. B. Funktionspfarrstellen) ausgespielt werden. Dies gefährdet die Kommunikation des Evangeliums, die nur in die Weite gehen kann. Es droht sonst der kirchliche Auftrag in der heutigen Gesellschaft verfehlt zu werden, wenn von einigen Arbeitsbereichen prinzipiell abgesehen wird.

7. In der Kommunikation des Evangeliums kann und soll Kirche aber nur ZEICHENHAFT handeln. Das darf nicht vergessen werden. Zeichenhaftes Handeln ist der Schlüssel, der beim Rückbau von kirchlicher Struktur und Arbeit leitend sein sollte. Denn zeichenhaftes Handeln ist das, worauf es Jesus bei seinen Nachfolgern ankommt. Es geht darum „Salz der Erde“ und „Licht der Welt“ zu sein. Nicht mehr und nicht weniger. Dies kann angesichts aufgeblähter Strukturen und Arbeit entlastend sein. 

8. Kirche darf und soll das Evangelium also weiterhin in der Weite kommunizieren, aber nicht in der Breite! Es wird also nicht ohne Rückbau, Regionalisierung Regionalisierung, Schwerpunktsetzung gehen. 

9. Dies aber verweist wieder zur eigentlichen Krise der Kirche, nämlich der geistlichen Krise:  Wo möchte Gott angesichts knapper werdenden Ressourcen mit seiner Kirche (von der Ortkirche bis zur Gesamtkirche) hingehen? Wie und wo soll das Evangelium kommuniziert werden?

10.  Diese Such- und Hörbewegung ist ein geistliches Ringen mit Gott! Dieser Prozess kann in und für die Kirche schmerzhaft sein.

11.  Das Ergebnis eines solchen Prozesses kann sein, dass weiterhin neue Struktur- bzw. Arbeitsbereiche, z. B. Erprobungsräume oder Fresh Expressions of church, ermöglicht und dafür kostbare Ressourcen zur Verfügung gestellt werden.  Denn auch wenn die Breite kirchlichen Handelns abnehmen wird und abnehmen muss, wird die Weite immer wieder neu vor Gott und mit Gott gesucht werden müssen.

Mein persönlicher Spitzensatz:

„Auf eine geistliche Krise sollte Kirche primär mit einem Prozess des Suchens, Betens und Hörens reagieren“, ist für mich persönlich ein echter Spitzensatz.

In diesem Geiste möchte ich euch Mut machen, sich der Krise zu stellen. 

Eure Theotabea

Zur Info:
Pfarrer Johannes Kraus erreicht ihr auf Social Media. Schaut doch mal auf seinem Profil vorbei 🙂

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