Meine TOP 5 christliche Motive in „Der Herr der Ringe“

und warum ich mich auf unseren „Der Herr der Ringe“- Gottesdienst freue

Vielleicht habt ihr bei einer Tasse Kaffee oder einem kühlen Bierchen auch schon einmal diskutiert: Was hat Der Herr der Ringe mit dem Christentum zu tun? Ich persönlich würde ja immer sagen: Ziemlich viel. Denn wenn ich darüber nachdenke, sehe ich in den vielen Handlungssträngen, den Figuren, dem Setting so Vieles, das mit meinem Glauben zu tun hat.
Hier meine TOP 5.

1) Das Böse

„Erlöse uns von dem Bösen“, beten Christen und Christinnen im Vater Unser. Das könnten die Bewohner und Bewohnerinnen Mittelerdes aus vollem Herzen mitbeten. Seit vielen Jahrhunderten werden sie schon von Sauron, einem dunklen und mächtiger Herrscher, heimgesucht.
Habt ihr euch mal gefragt, wer oder was dieser Sauron überhaupt ist? Sauron ist selbst eine Art gefallener Geist – verführt von Melkor, dem ersten und bösesten Valar. Valar sind ewige Wesen im Dienst des Schöpfergottes, ein bisschen wie die Erzengel.
Ganz schön mythologisch, oder? Ja, Tolkien hat seine eigene Mythologie erschaffen. Und ich finde immer wieder Sauron hat viel vom Teufel. Selbst gefallen und verführt und arbeitet mit richtig miesen Tricks. In der neuen Serie „Ringe der Macht“ wird noch deutlicher, wie Sauron es überhaupt geschafft hat, Macht zu erlangen:
Er hat sich bei den Elben eingeschlichen. Sogar die willensstarke Galadriel konnte er um den Finger wickeln. Er hat ihnen geschmeichelt, ihnen Geschenke gemacht, ihnen vorgegaukelt, alles wäre gut, während er schon ihre Vernichtung plante.
Mit dem großen Elbenschmied Celebrimbor hat er die Ringe gemacht: 3 für die Elben, 7 für die Zwerge, 9 für die Menschen. Und einen Meister-Ring, für sich. Damit hat er es geschafft, dass jede Macht, die er durch die Ringe schenkte, korrumpiert sein musste – weil sie nicht dem eigentlich Ringträger, sondern dem Meisterringträger, ihm, Sauron, diente.
Ganz schön teuflisch, oder?

2) Finsternis und Licht, Gute und Böse

Ich finde es beeindruckend, dass in Tolkiens Mythologie das Böse wirklich dunkel und das Helle wirklich leuchtend ist. Ein starker Kontrast. Mich erinnert das stark an den Anfang des Johannes Evangeliums: „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. […] In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat’s nicht ergriffen.“ (Ev. Nach Johannes Kapitel 1, 1.4-5). Hierfür gibt es einen lateinischen Begriff, er heißt: Dualismus. „Dualismus“ beschreibt zwei gegensätzliche Prinzipien, die gleichzeitig wirken und sich bekämpfen. Die Bibel umspielt dieses Prinzip, bricht es auf und kennt Schattierungen zwischen Licht und Dunkelheit. Vor allem Menschen sind komplex und selten nur böse oder nur gut. Zum Beispiel die Gestalt des Petrus: Er ist Jünger von Jesus, aber macht auch viele Fehler. Er will Jesus mit dem Schwert verteidigen, als er von Soldaten abgeführt werden soll. Petrus schlägt dabei einem Soldaten sogar das Ohr ab, obwohl Jesus ihm Gewaltverzicht sehr deutlich ans Herz gelegt hat. Und trotz dieses Einsatzes für Jesus sagt Petrus wenig später, dass Jesus gar nicht kennt. Er leugnet ihre Freundschaft einfach mal komplett. Trotzdem bleibt Petrus einer der Vertrautesten um Jesus und das bestätigt dieser ihm auch immer wieder.
Tolkiens Welt prägt ein starker Dualismus: Licht gegen Dunkelheit, das Gute gegen das Böse. Aber es gibt auch Grenzgänger wie Gollum. Überhaupt ist Gollum eine faszinierende Gestalt. Die Macht des Rings, den er zufällig fand, hat ihn korrumpiert – trotzdem hilft er den Hobbits durch Mordor. Ohne ihn wären sie vollkommen lost gewesen und hätten ihren Auftrag kaum erfüllen können. Leider geht Gollum nicht den Weg des Guten weiter: Er verliert sein Vertrauen in Frodo, als dieser ein Versprechen bricht und das Dunkle in ihm gewinnt.

3) Die Gefährten

Im ersten Teil der Trilogie machen sich neun Wesen auf, um Frodo zu unterstützen. Nur Frodo, der kleine Hobbit, kann den Ring der Macht in seiner unmittelbaren Nähe lange ertragen und folglich bei sich führen, ohne der Versuchung zu erliegen. Der Ring soll zerstört werden, wo er geschmiedet wurde: Im Schicksalsberg, in Mordor. Dahin soll Frodo mit dem Ring gehen und dafür braucht er Hilfe: Zwei Menschen, ein Zwerg, ein Elb, drei andere Hobbits und ein Zauberer sollen ihm helfen. Die Gemeinschaft des Rings.
Na, also wenn uns das nicht an die Jünger von Jesus erinnert? Übrigens ja auch besonders, weil ihre Reise nicht nur harmonisch ist. Da gibt es außer kleinen Streitigkeiten auch großen Verrat: Wie Judas, der Jesus an die römischen Soldaten verkauft. Ganz ähnlich verrät Boromir, der gern König der Menschen wäre, die Gemeinschaft des Rings. Er denkt sich: Hey, den Ring kann ich selbst ganz gut gebrauchen und will ihn von Frodo klauen.

4) Der Zauberer

Ist euch mal aufgefallen, dass Gandalf im Herr der Ringe gar nicht soo viel zaubert? Überhaupt, obwohl er ziemlich viel Weisheit besitzt, sagt er der Gemeinschaft des Rings keinesfalls, was sie tun und lassen sollen. Er fragt die Gemeinschaft, welchen Weg sie gehen wollen, lässt ihnen die Wahl. Mit dem Zauberstab greift er nur in Notfällen ein. Ganz ähnlich wie Jesus, der seine Wunder auch spärlich platziert – vermutlich auch, weil er die Jünger erst einmal selbst machen lassen will.
Und das größte Wunder teilt Gandalf mit Jesus: Die Auferstehung. Gandalf besiegt einen Balrog, eine Art Feuerdämon, fällt in die Tiefe – und kommt wieder als Gandalf, der Weiße. Ein weißes Gewand soll Jesus auch nach der Auferstehung getragen haben.
Zufall?

5) Die Suche nach Erlösung

Der Herr der Ringe ist episch – und löst dieses Gefühl bei mir aus. Das Gefühl, selbst auf einer epischen Reise zu sein. Auch ich suche in all der Endlichkeit der Dinge so etwas wie: Erlösung. Das ist für mich zentral im „Der Herr der Ringe“.
Es ist berührend, wie alles zu seinem guten Schluss findet, wenn die Figuren an den Grauen Anfurten stehen. Sie haben gekämpft, gelitten und ihren Auftrag erfüllt. Sie haben das Böse besiegt, den Ring vernichtet und sind zu ganz anderen Personen geworden.
Die Elben wachen über ein Land der Sehnsucht, Valinor. Dorthin reisen Frodo und sein Onkel Bilbo, aber auch Gandalf am Ende. Von den grauen Anfurten aus dürfen sie eins der Elbenboote besteigen und in ein Land reisen, das Ruhe und Frieden verspricht. Es gibt Erlösung für sie – aber auch für das ganze Land, für ganz Mittelerde. Ihre Tat hat viel bewirkt.
Dass eine Tat Erlösung für Viele bedeuten kann, dass Aufopferung und Hingabe ihren Lohn haben, hat viel mit Jesus zu tun. Auch er stirbt am Kreuz. Auch er opfert sich. Einer für Viele.
Jesus sagt am Kreuz: „In deine Hände befehle ich meinen Geist.“ (Evangelium nach Lukas 23,46). Eine Anspielung an Psalm 31, Vers 6, in dem die betende Person für Erlösung dankt. Jesus wird erlöst, davon dürfen wir ausgehen. Ist es nicht wunderbar, dass derjenige, der anderen Erlösung schenkt, sie selbst erfährt? – Frodo erlöst Mittelerde von dem Bösen und darf selbst erlöst in ein Land des Friedens reisen: Nach Valinor.

Und natürlich: Es spielt keine Rolle, wie klein der Hobbit ist, wie unbedeutend er wirkt. Jeder kann etwas bewirken. Dazu habe im letzten Artikel „Der Herr der Ringe: Christlich oder reine Fantasie?“ mehr geschrieben. Hier erkläre ich auch, warum die christlichen Anspielungen bei Tolkien kein Zufall sind. Lest es doch gerne mal nach.

Das waren meine 5 Lieblingsmotive in „Der Herr der Ringe“, die für mich auch viel mit Glaube zu tun haben. Waren eure Lieblingsmotive in meiner Auflistung dabei?
„Ja?“ – Super, wir fühlen uns!
„Nein, nicht dabei?“ – Dann erzählt es mir, bin gespannt.
Was sind eure Lieblingsmotive in „Der Herr der Ringe“, die euch auch im Glauben ansprechen?

Zum Schluss: Eine Ankündigung

Und weil das alles so geile Motive sind, die so viel mit meinem Glauben zu tun habe, freue ich mich ganz besonders auf den „Der Herr der Ringe“ Gottesdienst in der Unionskirche Idstein, am 2. November 2025 um 17 Uhr mit Dekanatskantor Carsten Koch und Filmmusik auf der Orgel. Titel ist „Zeit und Erlösung“.
Eins steht fest: Es wird episch!

Seid dabei.

Eure Theotabea

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