Ich bin weiter – Eure Theotabea

Jetzt war es etwas ruhiger um meinen Kanal. Habt ihr euch gefragt, wieso?
Ich habe mich selbst gefragt, wieso. Hier ein paar Antworten und eine ehrliche Selbstbeobachtung.

1) Digitale Kirche braucht einen strukturellen Wandel

Digitale Kirche ist vielfach Hobby von einzelnen Hauptamtlichen. Wenn ich böse sagen wollte, würde ich statt Hobby vielleicht auch das Wort „Selbst-Ausbeutung“ nutzen. Bitte steinigt mich nicht, wenn ich das so sage! Ich weiß, pauschal kann man das so nicht sagen.
Fakt ist: So schön bunt, locker und flockig Digitale Kirche in Social Media daher kommen mag. Es steckt nicht nur Zeit und Leidenschaft dahinter, sondern auch Arbeit. Arbeit, die Entlohnung und Anerkennung verdient. Teilweise mag das bereits geschehen, teilweise werden Stellen für Digitale Kirche eingerichtet und Akteur*innen wahrgenommen. Anderenorts ist das leider nicht so.

Und das löst zwei Dinge bei mir aus: Erstens muss ich überlegen, ob ich meine Zeit in Digitale Kirche investiere. Und zweitens: Wenn ich Zeit investiere, ist es oft so wenig, dass ich mit dem Ergebnis nicht zufrieden bin – will ich das?
Natürlich kann ich nebenbei mal schnell ein Selfie von mir in der Kirche posten. Aber wenn ich wirklich inhaltlich arbeiten und netzwerken will, braucht das für mein eigenes persönliches Bedürfnis vor allem eins: Commitment. Woher soll mein Commitment neben einer 100% Stelle im Pfarramt kommen?, frage ich mich ehrlich.
Was bringt es, mich online zu präsentieren, wenn ich gar nicht ansprechbar bin? Wenn ich vor allem die seelsorglichen Anliegen gar nicht ernst nehmen kann? Es ist ein echter Schmerz, sich dann ständig verweigern zu müssen.

Warte ich noch auf einen Wandel?, frage ich mich und während ich das tue, wandele ich mich auch selbst….

Ich werde stiller und freue mich wieder mehr über all die anderen, die aktiv sind, fröhliche Bilder posten, von einer tollen, kreativen Kirche berichten und mit dem Herzen von Gott erzählen!

2) Digitale Kirche ist für mich immer mehr Kirche geworden

Was würdet ihr sagen, ist das Merkmal von Digitaler Kirche? Für mich ist immer weniger entscheidend, dass sie „digital“ ist. Für mich ist immer entscheidender, dass Digitale Kirche „Kirche“ ist. Das hat weitreichende Folgen.

Digitale Kirche macht für mich einige Dinge aus:

  • Fehlertoleranz: Es darf alles schiefgehen, was geht. Ich erkenne einen Fehler, behebe ihn, lache darüber – und mache weiter, ohne mich entmutigen zu lassen und es gibt auch niemanden, der mich deswegen entmutigen würde.
  • Alles und alle dürfen sein: Es gibt keine Grenzen, nicht zwischen Hautfarben, LGBTQ oder oder oder … Alle gehören dazu. Alle dürfen dabei sein und alles sagen, solange niemand anders verletzt wird.
  • Fröhlichkeit, Kreativität, Agilität: Keine starren Strukturen! Stattdessen freie und offene Netzwerke, ergebnisoffenes Arbeiten und Socializen.
  • Von Gott reden: Gott steht im Mittelpunkt, mit seiner unendlichen Liebe zu den Menschen. Der lebendige Gott und nicht der Gott, dem ich stumm und steif dienen muss. Gott, mit seiner freundlichen Gegenwart.
  • Und vieles mehr natürlich… 🙂


Dieser Geist der Digitalen Kirche wirkt in die Kirche vor Ort, in die Gemeinde, in alles Tun und Denken im Namen Gottes. Ich spüre an mir, wie mir dieser Geist so wichtig ist, dass das Merkmal „digital“ etwas in den Hintergrund tritt. Es ist einfach so schön zu sehen, wie Digitale Kirche wirkt.

3) Digitale Kirche ist für mich immer mehr Kirche vor Ort geworden

Ich habe gelernt, dass es Digitale Kirche überall gibt, im Kleinen und Großen. In letzter Zeit mache ich viele Online Gottesdiente und merke, dass sie vor allem für meine Gemeinde vor Ort sind. Dass es wichtig ist, für die Gemeinde vor Ort einen Online Gottesdienst mit ihrer Pfarrerin, ihrer Prädikantin in ihrer Kirche mitzufeiern.

Das macht Sinne im Hochtaunus: Im Winter ist es bei hohem Schnee beschwerlich in die Kirche zu kommen und auch ohne Schnee schaffen ältere Mitbürger*innen den Anstieg auf den Berg oft nicht mehr. Das Titelbild ist übrigens recht aktuell, es stammt aus dem Monat April; Schnee und Hochtaunus halt.
Da ist ein Segen, dass der Gottesdienst zu ihnen kommt.

Ich habe auch erlebt, wie meine Kanäle immer mehr von Gemeindemitgliedern genutzt werden. Das war für mich interessant zu beobachten.

Mein Fazit ist:

Digitale Kirche ist für mich gerade ein bisschen kleiner geworden, sie ist nicht mehr das große, weite Internet, mit dem ich kommuniziere oder kommunizieren wollte.

Meine (digitale) Kirche hat jetzt einen Kirchturm und der steht erst einmal im schönen Hochtaunus. Vielleicht ernüchternd, denn ich dachte mal Digitale Kirche würde das Kirchturmdenken über den Haufen werden – aber vielleicht geht es weniger um den Kirchturm als um regionale Zugehörigkeit und die denke ich, hat durchaus Zukunft.

Das heißt nicht, dass ich nicht für euch da draußen weiter da bin. Es heißt nur, dass ich eine andere Mitte in meinem Wirken, Denken und Arbeiten gefunden habe – und aufgrund der Strukturen finden musste!

An dieser Stelle übrigens ein fettes Danke an alle, die mir treu geblieben sind, ihr seid super.


Ich bin weiter,
Eure Theotabea

5 Kommentare

  1. Tu das, was dir Freude macht.
    Für mich war lange Jahre das Bloggen eine wichtige Sache. Zeitweise wollte ich jeden Tag einen Beitrag bringen – außer sonntags. Das war manchmal wie eine geistliche Aufgabe.
    Die Bloggerei hat nachgelassen,auch in der Qualität der Kommentare. Facebook wuchs. Twitter macht mir mehr Spaß, Tweets kommen schnell.
    Ohne Freude ist das nix. Mindestens eine positive Herausforderung sollte es sein.
    Was #digitaleKirche sein kann, ist insgesamt noch nicht klar. Ich finde es interessant, was sich tut.

    Danke für deinen Beitrag. Und viel Freude bei allem!

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  2. Digitale Kirche kann nicht von einer einzelnen Person gemacht werden. Von meiner Kirche gibt es eine Plattform wo alle mitmachen können……… wie gesagt können. Es bleibt aber alles an 2 Leuten hängen. Dem Pastor und dem der die Seite im Internet macht. Digital kommt die Seelsorge zu kurz, weil es für einen Pastor nicht zu schaffen ist. In dringenden Fällen bekommt man auch eine Antwort aber diese kann gut 3 bis 4 Wochen dauern. Diese Plattform ist reine Privatsache und ein Start. Vielleicht wird ja auch hier mehr draus.
    Die einzige Gemeinde die echt online was drauf hat, ist der Köllner Dom………und es funktioniert nur weil hier sehr viele mitmachen. Es werden auch genügend Gelder zur Verfügung stehen, die kleine Gemeinden anderer Konfessionen einfach nicht haben. Leider.
    Gott hat uns aber auch so lieb. Er passt auch ohne Online Plattform auf uns auf.

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    • Danke für deinen Kommentar. Ja, an Geld und Mitarbeit hängt es. Digitale Kirche ist keine one-man/woman- show. „Die Ernte ist gross, die Arbeiter sind wenige“, sagt schon die Bibel. Hier passt es sehr gut 🙂 Ich bete nur, dass kein Mensch verloren geht, der sich online Hilfe suchen will…

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      • Es heißt doch, wer suchet der findet. Wer online verloren geht, der geht auch ohne Internet verloren. Für uns ist es wichtig das wir bald wieder in der Kirche Musik machen können. Dann ist die Kirche immer voll. Die Hemmschwelle bei den Menschen ist dann niedriger, es kommen Menschen zurück die bereits aus der Kirche ausgetreten sind. Unser Chor war und ist schon immer ein bunter Haufen unterschiedlicher Konfessionen. Für nicht Christen ist unser Haufen nur schwer aushaltbar oft wird einfach gemeinsam der nächste Taize Gottesdienst besucht und die Pastorin macht immer mit 🙂

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